Ehrenb├╝rgerin Schulzendorfs, Elisabeth Jeske

 

„Steinchen um Steinchen oder teile und herrsche“.

 

Sie geben sich ganz unterschiedlich, die Steinchen in der Natur gewachsen und diese aus gebranntem Ton oder aus farbigem Glas. Eine Eigenschaft eint sie

trotzdem besonders; sie widerstreben auf das Entschiedenste dem Gestalter. Sie sind die Elementarteilchen eines Mosaiks, die Pixel der digitalen Bilderwelt.

 

"Alles, was ich vom Mosaik weiß, weiß ich von Herrn Jungebloedt".

 

Wem begegnet schon ein Mensch, dem tausende von Quadratmetern Mosaiks durch Hand und Hirn gingen?

Sie lernten sich in der "Zauberburg" kennen; so nannten die Berliner den "Schwechtenbau" in der Kiefholzstrasse

in Neukölln. Die Zauberburg, das war die Mosaikfabrik von Puhl, Wagner und Heinersdorff.

 

"Er", Heinrich Jungebloedt, war der künstlerische Leiter dieser Manufaktur, sorgte für das "Herrschen" über die

Elementarteilchen der Mosaike.

"Sie", Elisabeth Jeske, führte die Ofenbücher, die Rezeptanweisungen, nach denen die Glasschmelzen gemischt wurden.

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Die daraus gepressten "Glaskuchen" bedurften noch der "Teilung" in die Pixel der Bilderwelt des Mosaiks.

 

"Alles gehört in eine Hand, vom Entwurf bis zur Ausführung". Das war Heinrich Jungebloedts Schlussfolgerung aus einer fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit im Mosaik. Und so ist es denn auch gekommen:

Elisabeths Elternhaus wurde ab 1945 zur Werkstatt "Heinrich Jungebloedt Mosaiken".

 

Gut fünfzig Jahre bestand die Werkstatt in Schulzendorf in der Karl-Liebknecht-Straße. Gehen Sie ruhig mal vorbei, vielleicht hängt ein Mosaik an der Wand. Frau Jeske führte sie von 1976 bis zu ihrem Tod im Jahre 2002.

 

Warum wohl wurde sie unsere erste Ehrenbürgerin? Hat es mit ihrer Treue zu der Sache zu tun? Sie sprach des Öfteren von "Naturlangsamkeit". Auch für mich trifft der eingehende Satz zu „Alles, was ich vom Mosaik weiß, weiß ich von Frau Jeske“.

 

Helmut Mencke

 

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Lebenslauf

 

*08.08.1921 - † 25.05.2002

 

E. Jeske ist in Berlin geboren (wohnte in Schulzendorf in der Karl-Liebknecht-Str.).

Angefangen hatte alles 1940, als sie zur damals weltweit bekanntesten Mosaik- und Glasmalereiwerkstatt von Puhl & Wagner in Berlin-Rixdorf kam und die Hüttenbücher führen sollte.

 

Dort lernte sie den künstlerischen Leiter des Unternehmens, Heinrich Jungebloedt, kennen. Er eröffnet in Schulzendorf eine kleine aber feine Werkstatt. Sie erlernt das Mosaik-Kunst-Handwerk und hält 1949 den Lehrbrief in den Händen.

 

1954-1975 besucht sie die Meisterschule für das Kunsthandwerk Berlin.

Vor den Vertretern des‚ Senats von Berlin „Dekorative Malerei“ schließt sie mit „sehr gut bestanden“ ab.

 

Erstes großes öffentliches Lob in Fachkreisen erhält sie von den Staatlichen Museen zu Berlin schon 1957 für die Restaurierungsarbeiten an den pergamenischen Mosaikfußböden aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert.

 

1960 legt sie ihre Prüfung als Meister für das Platten- und Fliesenlegerhandwerk vor dem Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer in Cottbus ab.

 

Gemäß Beschluss der Gutachterkommission des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands, Bezirksverband Potsdam wird sie 1968 in den VBK als „Vollmitglied“ aufgenommen.

 

Hierzu waren positive Beurteilungen, die sie u.a. erhielt von Heinrich Jungebloedt und Prof. Lothar Zitzmann (Hochschule für Industrielle Formgestaltung, Jena) von großer Bedeutung.

 

Nach dem Tod von Heinrich Jungebloedt 1976 übernimmt sie die Werkstatt und führt sie weiter.

 

Mitglied des Verbandes Brandenburgischer Bildender Künstler e. V. wird sie 1990. Eine besondere Ehrung wird Elisabeth Jeske 1996 zu Teil. Sie erhält aus den Händen von Roman Herzog zur Anerkennung ihres Lebenswerkes das Bundesverdienstkreuz.

 

2000 anlässlich der 625 Jahrfeier von Schulzendorf wird sie zur Ehrenbürgerin Schulzendorfs ernannt.

 

2002 verstirbt sie 81jährig nach unermüdlichem Schaffen.

 

In ehrendem Andenken wird die Werkstatt von Herrn Helmut Mencke (langjähriger Mitstreiter von Frau Jeske) weitergeführt. Gern führt er sie nach Vereinbarung durch die Werkstatt.

 

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Beispiele von Arbeiten (Mosaiken) aus ihrer Werkstatt

 

Brunnengestaltungen

 

 

Tischmosaiken

 

 

Bodengestaltungen

 

 

Wandgestaltungen

 

 

Restaurationen nach 1976

 

 

Viele weitere eigene und architekturgebundene Arbeiten wurden von ihr ausgeführt. Sie war leise, zielstrebig und meisterhaft in Perfektion und Ausführung ihrer Arbeiten.

Besonders Restaurationsarbeiten erforderten höchste Konzentration und exakte Vorbereitung.

Die Ergebnisse sollten sich dem Original nicht nur annähern, sie mussten in Farbe und Gestaltung originalgetreu erstrahlen. Das gelang der bescheidenen Künstlerin und brachte ihr höchste Anerkennung.

 

So z.B. der Dombaumeister Rüdiger Hoth 1995 „Ihr ist es zu verdanken, dass die am Dom noch vorhandenen stark beschädigten Mosaikgemälde qualitätsvoll restauriert wurden. Ihre langjährigen Erfahrungen und hervorragenden Fachkenntnisse, verbunden mit Beharrlichkeit, Akribie und einem großen künstlerischen Einfühlungsvermögen, Details und Bilder wieder erstehen.

 

Wir sind der Überzeugung, dass diese Frau und Künstlerin zu den letzten großen Mosaikfachleuten unserer Zeit gehört. Ihr gebührt unser herzlichster Dank.“

 

Er ließ es sich auch nicht nehmen, die Laudatio auf der Festveranstaltung ihr zu Ehren am 14.07.2000 in der Patronatskirche zu Schulzendorf zu halten.

 

Die Werkstatt in der Karl-Liebknecht-Straße 55 in Schulzendorf wird von Herrn Helmut Mencke weiter geführt.

 

Quellen: Elisabeth Jeske, Mosaiken, GEDOK-Brandenburg e.V., Rd. G. Förster, Archivalien überl. von E.Jeske Archiv der AG Ortschronik Schulzendorf; Fotos: H.Krieger, Schulzendorf